Großstudie Zahnreinigung: Über ein Drittel der Zahnärzte „zockt“ bis zu 274 € ab / Mehr als 1.400 befragte Praxen in 127 Städten in Deutschland, Österreich & Schweiz

57% der deutschen Praxen verlangen mehr als 75 € / Preisspannen von 30 bis 274 €

Hintergrund Studie

Ihre Zähne sind Millionen Deutschen lieb, doch leider werden gute Zähne auch immer teurer. Grund: Die Zahnärzte langen teils immer dreister zu. Millionen Deutsche, Österreicher und Schweizer gehen jedes Jahr nicht nur in die üblichen zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen, sondern auch zur professionellen Zahnreinigung (PZR). Doch wer mit einer PZR seinen Zähnen etwas Gutes tun will, fühlt sich spätestens beim Blick auf die Zahnarztrechnung häufig über den Tisch gezogen. Zu Recht, wie jetzt das deutsche Verbraucherportal www.geld.de in seiner zweiten großen Zahnarztstudie herausfand.

Hierfür wurden über 1.400 Zahnärzte in 127 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Allein in den Metropolen Hamburg, Berlin, München, Köln, Düsseldorf, Frankfurt a.M., Zürich und Wien waren es 229 Ärzte, denen Geld.de ‚auf den Zahn‘ fühlte. Als Modellfall wurde bei den Zahnärzten angefragt: Was kostet in etwa die Zahnreinigung einer 29-Jährigen Frau mit gesunden gepflegten Zähnen und wenig Zahnstein (Nichtraucherin)? Als Parameter wurde zudem gesagt, dass sie regelmäßig Zahnreinigung durchführen ließe, also zwei Mal im Jahr. Im Schnitt dauert eine Zahnreinigung bei einem Erwachsenen zwischen 45 und 60 Minuten. Nimmt man das durchschnittliche Gehalt einer Zahnarzthelferin oder einer Medizinischen Assistentin als Grundlage (Tabelle 8 im Anhang) und summiert die üblichen Ausgaben für Miete, Geräte, Strom, Wasser, rechnet noch einen Gewinnanteil von zehn Prozent hinzu, kommt man auf durchschnittliche reale Praxiszimmerkosten je Stunde in Deutschland von rund 33 Euro, beziehungsweise 268 Euro am Tag.

In Österreich läge ein solcher angenommener realer Zahnarztzimmer-Kostensatz bei 32 Euro je Stunde, beziehungsweise bei 257 Euro je Tag und in der Schweiz bei 67 Euro je Stunde, beziehungsweise 537 Euro je Tag. Als Modell für solche Rechnungen gelten Aufschlüsselungen, wie sie beispielsweise auch die Handwerkskammern anbieten. Leider sah sich die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) nicht in der Lage, wie das in anderen Berufen üblich ist, eine glaubhafte Kostenaufschlüsselung der Zahnärzte je Stunde geld.de zur Verfügung zu stellen. Deshalb handelt es sich um Annäherungswerte. Die Hauptkosten der Geräte für eine professionelle Zahnreinigung liegen beim Zahnarztstuhl, der durchschnittlich mit 32.500 Euro bei den Zahnärzten zu Buche schlägt, dem Zahnsteinentfernungsgerät, das durchschnittlich 1.909 Euro kostet, sowie dem (umstrittenen, da den Zahnschmelz beschädigenden) Airbrush-Polishing-Gerät. Es kostet durchschnittlich 2.033 Euro (Quelle: www.d-rect.at).

Nimmt man das als Basis, ist geld.de zu der Erkenntnis gelangt: Eine professionelle Zahnreinigung, die ja in der Regel eben nicht von Zahnärzten, sondern von zusätzlich geschulten Zahnarzthelferinnen oder Medizinischen Assistentinnen durchgeführt wird, dürfte in Deutschland und Österreich maximal 75 Euro kosten und in der Schweiz 150 Euro. Alles was über diesen Beträgen liegt, ist eindeutig überteuert und wird von Geld.de als „Abzocke“ klassifiziert.

Studienergebnisse

Die geld.de-Studie belegt: Wer sich seine Zähne professionell reinigen lassen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. So stieg der durchschnittliche Preis für eine Zahnreinigung in deutschen Städten gegenüber dem Vorjahr um 2 € auf 74 €. Dass eine Zahnreinigung zum Luxusgut werden kann, zeigen die Kosten im Verhältnis zum durchschnittlichen Brutto-Einkommen. So müssen die Patienten in allen 127 untersuchten Städten mittlerweile durchschnittlich 68% ihres Tagesbruttolohns für eine Reinigung ausgeben. In Deutschland sind es 67%, in Österreich 82% und in der Schweiz 61%. In Stunden bedeutet dies: Für eine Stunde Zahnarzt, muss der Arbeitnehmer durchschnittlich 5,4 Stunden arbeiten. Nähme man das Nettogeld als Grundlage, läge dieser Betrag noch höher.

Schaut man sich die Rechnungen für Professionelle Zahnreinigung in den 117 untersuchten deutschen Städten einmal näher an, so gelangt die Studie auf folgende Klassifizierungen: In nur einer Stadt (Amberg), konnte geld.de das Testergebnis „günstig“ vergeben, da der Preis der befragten Zahnärzte durchschnittlich bei 49 Euro lag (Tabelle 1 im PDF-Anhang).

11% der Städte (darunter Rostock, Straubing, Erfurt, Marburg, Regensburg, Hof, Kassel, Bremerhaven, Dessau-Roßlau) wurden als mittelpreisig eingestuft, da die Verbraucher dort durchschnittlich nur zwischen 55 und 64 Euro für eine Professionelle Zahnreinigung berappen müssen.

17% der Städte gelten aber bereits als teuer – darunter Essen, Offenburg, Hannover, Magdeburg, Mannheim, Würzburg, Chemnitz, Schwerin, Aalen. Hier sind durchschnittlich zwischen 65 € und 69 € zu bezahlen. In 28% aller untersuchten Städte gelangt die Studie bereits zu dem Urteil „zu teuer“. Grund: Preise zwischen 70 und 74 € sind bereits recht hoch für eine professionelle Zahnreinigung. Unter anderen fallen folgende Städte in diese Kategorie: Flensburg, Coburg, Remscheid, Dortmund, Schwäbisch Hall, Esslingen, Osnabrück, Tübingen, Konstanz, Lübeck, Dresden, Saarbrücken, Potsdam, Karlsruhe, Neubrandenburg, Freiburg i.B., Trier, Passau, Traunstein, Neuss.

Ganze 43% – fast jeder zweite deutsche Zahnarzt – landet mittlerweile in der Studie in der Kategorie „Abzocke“. Es werden also durchschnittlich Kosten von 75 bis 100 € in Rechnung gestellt. Die teuerste deutsche Stadt ist München mit durchschnittlich 100 € für eine Professionelle Zahnreinigung. Ebenfalls die Auszeichnung „teuerste deutsche Praxis“ geht in die Isar-Metropole. So schämt sich ein Dentalkünstler dort nicht, ganze 180 € fürs gründliche Zähneputzen abzukassieren. Die teuersten deutschen Zahnarztpraxen fanden sich auch in Städten wie Berlin (173 €), Suhl (153 €) oder in Ulm (130 €).

Kräftig zugelangt, beziehungsweise abgezockt, wird auch in Städten wie Heilbronn (Ø 97 €, Spitze: 120 €), Frankfurt a.M. (Ø 96 €, Spitze: 125 €), Salzburg (AT, Ø 96 €, Spitze: 124 €), Stuttgart (Ø 96 €, 150 €), Aachen (Ø 96, 150 €), Düsseldorf (Ø 94 €, 165 €), Darmstadt (Ø 94 €, 125 €), Bonn (Ø 90 €, 125 €) oder in Wien (Ø 99, 130 €). Selbst im verschlafenen Siegen herrschen Großstadtpreise: Durchschnittlich zwischen 94 und 100 € werden in der größten Stadt des deutschen Siegerlandes eingefordert. In dem 127-Städtetest ganz weit vorne landeten auch Köln (Ø 86 €), Wiesbaden (Ø 85 €), Erlangen (Ø 85 €), Leipzig (Ø 84 €), Hamburg (Ø 83 €), Berlin (Ø 83 €) oder Aschaffenburg (Ø 82 €). Auch an die dort ansässigen Zahnärzte mussten die Tester das Urteil „Abzocke“ verleihen.

In der Schweiz ist das Preisniveau zwar im Verhältnis zu Deutschland und Österreich insgesamt höher, dennoch kann auf Grund eines fast doppelt so hohen durchschnittlichen Haushalts-Bruttoeinkommens von nur unter 5% der Zahnärzte gesagt werden, dass sie ihre Patienten wirklich abzocken. Geld.de fand dennoch immerhin neun Zahnarztpraxen die hierunter fallen, da sie über 150 € für eine Professionelle Zahnreinigung berechnen. Besonders frech: In Genf verlangt ein Zahnklempner ungeniert ganze 274 € für eine simple Zahnreinigung. Im Schnitt bezahlen die Genfer saftige 163 € für eine Putz-Behandlung. Somit haben die frankophonen Schweizer nicht nur den teuersten Zahnarzt, sondern auch die teuerste Stadt im 127-Städte-Vergleich in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Am schlimmsten sind der Studie nach jedoch die Österreich dran. Sage und schreibe 80% der dort befragten Zahnärzte fallen in die Abzock-Kategorie, da zwischen 75 und 140 Euro durchschnittlich zu bezahlen sind. So liegen die Durchschnittskosten nicht nur in Wien sehr hoch, sondern auch in Salzburg (96 €), Graz (84 €), Linz (81 €) oder in Innsbruck (71 €).

Bis zu 92% vom Tagesbruttogehalt für eine Zahnreinigung / durchschnittlich 5,4 Arbeitnehmer-Arbeitsstunden für eine Stunde Zahnreinigung nötig

Betrachtet man die in den Städten durchschnittlich verdienten Brutto-Tageslöhne, zeigt sich, wie dreist und schamlos in einigen Regionen die Zahnärzte mittlerweile die Bürger abkassieren. Spitzenreiter ist Salzburg (AT): Hier müssen im Schnitt 92% des Tages-Brutto-Verdienstes für eine Professionelle Zahnreinigung aufgewendet werden. Es folgen Heilbronn mit 91%, Wien (AT) mit 90% und Leipzig mit 89%. Aber auch in Städten unterhalb der jeweiligen „Abzock-Grenzen“ (D: 75 €, AT: 75 €, CH: 150 €) muss viel für eine PZR gearbeitet werden: So gehen in Oldenburg 77% des Tages-Bruttolohns für das einmalige Profi-Zähneputzen drauf, in Hildesheim 76%, in Suhl 85%, in Frankfurt a.d. Oder 80%, in Halle a.d. Saale 82% oder in Heide 75%.

Auffällig: Obwohl die Preise in der Schweiz mit die höchsten in der Studie sind, schwankt das Lohn-Zahnreinigungskosten-Verhältnis dort ‚nur‘ zwischen 57% und 75%. Grund: Die hohen Bruttolöhne in der Alpenrepublik.

Besonders bitter: Die deutsche Bundesregierung aus CDU und FDP billigte vor einigen Wochen die Änderung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Ab 2012 sollen die deutschen Zahnärzte rund 345 Mio. € pro Jahr mehr verdienen. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die üblichen ärztlichen Leistungen, wie Kronen oder Füllungen. Die Geld.de-Experten gehen auch davon aus, dass die Preise für die Zahnreinigung weiter angehoben werden. Die Preisschraube geht also weiter…. von Verbraucherschutz keine Spur.

Stadtstaaten Hamburg und Berlin am teuersten

Betrachtet man die deutschen Bundesländer und legt die dort verlangten Kosten für eine Professionelle Zahnreinigung zur Grundlage, lässt sich feststellen, dass die Einwohner der beiden Stadtstaaten Berlin und Hamburg mit durchschnittlich 83 € am meisten Geld über die „Kassentheken“ der Ärzte schieben müssen. Auf Platz 3 folgt Baden-Württemberg mit durchschnittlich 80 €. Ebenfalls oberhalb der „Abzock-Grenze“ liegen Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und als einziges ostdeutsches Bundesland Sachsen. Im Vergleich auch noch zu teuer sind Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen und Brandenburg. Hier werden von den Zahnärzten durchschnittlich zwischen 71 und 74 € auf die Rechnungen geschrieben.

Teuer sind aber auch das Saarland, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern mit Durchschnittspreisen zwischen 69 und 66 €. Als einziges Bundesland vergaben die Tester lediglich Thüringen das Preissiegel „Mittel“. Dort verlangen die Zahnärzte durchschnittlich nur 61 € für das Profi-Zähneputzen. Günstig ist kein Bundesland.

Übrigens: Häufiger als zwei Mal im Jahr sollte man eine professionelle Zahnreinigung laut Friedrich Wiedemann, Geschäftsführer und Versicherungsfachmann von Geld.de nicht durchführen: „Damit schädigt man nicht nur seine Zähne oder das Zahnfleisch, sondern auch seinen Geldbeutel.“ Aufgrund der rasant steigenden Kosten für Zahnreinigungen empfiehlt Wiedemann, sich möglichst rechtzeitig nach einer Zahnzusatzversicherung umzuschauen. Derzeit seien die Tarife günstig. So könne sich eine 29jährige Frau schon für 5,61 € im Monat komplett absichern. Ein 35jähriger Mann bekomme die Leistung für 4,87 €. Mehr unter: https://www.geld.de/zahnzusatzversicherung.html

 Anmerkungen zur Datenerhebung: Die Studie basiert auf einer telefonischen Befragung im Zeitraum Mai bis Juli 2011.

 

Artikel drucken Studie downloaden

Presseverteiler

Name (Pflichtfeld)

Vorname (Pflichtfeld)

Medium

E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Ressort

Position

Captcha
captcha

E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Captcha
captcha